Als Angestellte wäre mir das sicher nicht passiert…

Gestern war mein 15-jähriges Firmenjubiläum… und ich habe es einfach vergessen. Geht es eigentlich noch anderen Selbstständigen und Freiberuflern so? In meiner Timeline sehe ich immer einmal wieder Bilder von bunt geschmückten Arbeitsplätzen, Blumensträußen und leckerem Kuchen, wenn Jubiläen am Arbeitsplatz begangen werden. Doch viele Freiberufler und Selbstständige sind ihr eigenes, kleines Unternehmen… ganz ohne Angestellte. Und wer feiert denn schon gern sich selbst?

Dabei ist es doch so wichtig und essentiell, seine Erfolge wertzuschätzen und auch gebührend zu feiern! Jedes einzelne Jahr bedeutet harte Arbeit und Durchhaltevermögen. Denn es gibt auch immer wieder Herausforderungen, die es zu bewältigen gilt. Ich glaube, dass das „Nicht-Aufgeben“ und das „Durch-Halten“ absolut unterschätzt werden. Denn es bedeutet, immer und immer wieder Extremsituationen auszuhalten. Körperlich und auch psychisch. Und nicht jeder kann und schafft das!

Deshalb: Feiere dich und deine Erfolge! Und ich feiere 15 jähre Selbstständigkeit. 15 Jahre voller Veränderungen, bewegender Begegnungen, extremer Herausforderungen… vor allem aber: Vieler wunderbarer Erfolge mit einzigartigen, wunderbaren Menschen. Ich liebe und lebe das, was ich tue und möchte es mit NICHTS eintauschen. Das Feedback meiner Klienten und Klientinnen zeigt mir immer wieder, wie wertvoll meine Arbeit für sie ist. Wieviel wir gemeinsam bewegen können. Wie wichtig persönliche Stärke und gegenseitige Unterstützung sind.

Auf dem Bild ist nur einen kleinen Auszug meiner Referenzen aus den letzten 15 Jahren. Und hinter all diesen Namen stehen Menschen, denen ich sehr dankbar bin, dass sie mich ausgewählt haben, sie ein Stück ihres Weges zu begleiten. Danke für euer Vertrauen, und dass ihr scheinbar unüberbrückbare Hürden gemeistert habt. Ich glaube an euch und eure Kraft… und die Welt braucht euch mehr denn je!

💐💐💐 Und jetzt: Lasst es Blumen regnen! Ich freue mich auf das, was kommt und bin bereit dazu, die Welt auch weiterhin zu einem liebevolleren und lebenswerteren Ort zu machen 💖

LEARNING #5 : Halte durch, auch in kritischen Zeiten.

Eines meiner wohl wichtigsten Learnings aus 15 Jahren Selbstständigkeit ist, durchzuhalten. Auch in kritischen Zeiten. Es wird immer wieder Durststrecken geben, in denen du vielleicht lieber aufgeben möchtest. Oder wo andere Menschen dir sagen, dass das alles so keinen Sinn hat.

Aber weisst du: Was wirklich zählt, ist die Frage, was deine eigenen Gedanken sind. Denkst du, dass es an der Zeit ist, aufzugeben? Oder siehst du vielleicht doch einen Weg, wie es weitergehen kann und wie du die kritische Zeit überstehst?

Gerade zu Beginn ist es oft schwierig, seine Routine zu finden. Es müssen oft noch Anpassungen getroffen werden. Des weiteren braucht es Sichtbarkeit, damit die Menschen wissen, dass es deine Dienstleistung oder dein Produkt überhaupt gibt. Und oft vergeht vom Erstkontakt bis zum letztendlichen Kauf oder der Buchung etwa 1 Jahr.

Wenn du dann auch noch etwas anbietest, das vielleicht neu und relativ unbekannt ist, braucht es eventuell sogar noch etwas mehr Zeit. Und ein gutes Marketing, so dass die Menschen auch verstehen, was überhaupt der Mehrwert deines Angebots ist.

Mir hat es immer sehr geholfen, einen zeitlichen und finanziellen Puffer zu haben, um herausfordernde Zeiten zu überstehen. Die Gewissheit, dass das, was ich anbiete, auch wirklich gebraucht wird. Mir eine Deadline zu setzen, bis wann ich durchhalten kann und möchte. Und bis wann wieder das Licht am Horizont zu sehen sein muss.

Die Hochs und Tiefs in meiner Selbstständigkeit begleiten mich bis heute. Mal läuft es großartig, dann passiert wieder einmal eine Zeit lang gar nichts. Und plötzlich stehst du vor Herausforderungen, die du dir nicht hättest ausmalen können.

Doch glaube ich ganz fest an das, was ich tue! Ich stehe nicht still und ich bin mir voll und ganz meiner Selbstständigkeit bewusst. Das alles hilft mir dabei, auch in schwierige Zeiten durchzuhalten.

Und letztendlich stellte ich mir immer die Frage: Was kann im schlimmsten Fall passieren, wenn es doch nicht klappt? Könnte ich mit den Konsequenzen leben? Und was wäre mein Plan B?

Wie gehst du mit herausfordernden Zeiten und Durststrecken in deiner Selbstständigkeit um?

LEARNING #1 : Lass dir von niemandem sagen, was geht oder nicht geht.

Kennst du das auch? Du hast eine tolle Idee im Kopf, die es so vielleicht noch nicht gab. Und du hast Lust darauf, die Idee wahr werden zu lassen. Du erzählst einer anderen Person, vielleicht sogar aus deinem nahen Umfeld, davon und die Reaktion ist: „WAS?! Das kannst du vergessen… das wird nie funktionieren!“

In meinen 15 Jahren Selbstständigkeit habe ich gelernt, dass es zwar durchaus förderlich sein kann, sich mit anderen Menschen über seine eigenen Gedanken und Ideen auszutauschen. Jedoch darf ich selbst immer noch darüber entscheiden, ob ich die Gedanken meines Gegenübers auch annehme.

Denn wo wären wir heute, wenn jede Person nur dem gefolgt wäre, was bereits da war? Niemand kennt deine Idee so gut, wie du. Du bist der Experte oder die Expertin auf diesem Gebiet. Und ob etwas gelingt oder zum Scheitern verurteilt ist, wird sich immer erst mit der Zeit zeigen.

Natürlich ist es sinnvoll, dir Feedback und Unterstützung von anderen Menschen einzuholen. Doch entscheide du selbst darüber, welche Priorität sie wirklich für dich und die Umsetzung deiner Idee hat.

Ganz frei nach dem Spruch: „Alle sagten: Das geht nicht. Dann kam einer, der wusste das nicht und hat’s gemacht.“

💛 World Mental Health Day 💛

Heute ist der Welttag für psychische Gesundheit – World Mental Health Day. Und wusstest du, dass insbesondere hochsensible Menschen der Gefahr unterliegen, psychisch krank zu werden? Depressionen zu bekommen oder in einem Burn-On/Burn-Out zu landen?

Hochsensible Menschen nehmen Gefühle und Emotionen besonders intensiv wahr. Sie haben den starken Wunsch, es anderen Menschen recht zu machen. Sie gehen oft über ihre eigenen körperlichen und seelischen Grenzen hinaus, nur, um dazuzugehören und nicht negativ aufzufallen oder anzuecken.

Aufgaben erfüllen sie mit einer ausgeprägten Perfektion und Tiefgründigkeit. Sie hinterfragen, analysieren und geben gern 200 Prozent, wenn sie für etwas brennen. Enttäuschungen und Ungerechtigkeiten nehmen sie stark mit. Und sie haben leider oft auch verlernt, auf die Warnsignale ihres Körpers zu achten.

Deshalb ist es besonders für hochsensible Menschen so wichtig, zu erkennen, was ihre besondere Persönlichkeit ausmacht. Wie sie damit in Alltag und Beruf optimal umgehen und gut für sich sorgen können. Und wie es ihnen gelingt, sich abzugrenzen und ihre Hochsensibilität vom Fluch in eine wunderbare Gabe zu transformieren.

Etwa jede 5. Person ist hochsensibel. Wenn du es selbst nicht bist, dann hast zu 100% jemanden in deinem Umfeld, der eine hohe Sensitivität besitzt. Doch egal, ob hochsensibel oder nicht… psychische Gesundheit geht uns alle an!

Also betrachte dein Umgeld mit wachen Augen. Gehe aktiv auf Menschen zu, wenn du das Gefühl hast, dass mit ihnen etwas nicht stimmt. Und, wenn du selbst betroffen bist: Such dir bitte professionelle Unterstützung 💛

Teams mit einer hohen emotionalen Intelligenz sind produktiver und stressresistenter.

Dass emotionale Intelligenz von enormer Wichtigkeit für die Zukunft von Unternehmen ist, ist mittlerweile bekannt. Jedoch reicht es nicht aus, ausschließlich Führungskräfte darin zu schulen. Viel effektiver ist es, die emotionale Intelligenz bei jedem einzelnen Teammitglied zum fördern.

Menschen mit einer hohen emotionalen Intelligenz sind in der Lage, Emotionen bei sich selbst und anderen zu erkennen. Sie können angemessen darauf reagieren und sich selbst regulieren. Wenn sie dazu in der Lage sind, diese Emotionen auch klar und deutlich zu kommunizieren, kann frühzeitig auf Stress und Konflikte reagiert werden.

Emotional intelligente Teams sind aus Menschen zusammen gesetzt, die dynamisch im Umgang mit ihren Teamkolleg:innen sind und flexibel auf Herausforderungen reagieren. Somit entsteht eine wertvolle Vertrauensbasis und gegenseitiger Respekt. Diese positive Arbeitsatmosphäre sorgt für ein motiviertes Zusammenarbeiten und gegenseitige Unterstützung in schwierigen Situationen.

Werden also Führungskräfte und Mitarbeiter:innen in emotionaler Intelligenz und den entsprechenden Soft Skills gefördert, so entsteht eine wertvolle Basis für den zukünftigen Erfolg von Unternehmen. Hochsensible Menschen besitzen von Natur aus die besten Voraussetzungen für emotionale Intelligenz. Es gilt also, hochsensible Menschen im Unternehmen zu erkennen und entsprechend zu fördern, so dass sie ihre wertvollen Potentiale in vollem Maße entfalten können.

Wenn du wieder einmal an deiner Hochsensibilität zweifelst…

Heute möchte ich dich dazu ermutigen, einmal darüber nachzudenken, in welchen Situationen dich deine Sensibilität positiv beeinflusst hat. Wann hat sie dich oder andere Menschen davor bewahrt, negative Erfahrungen zu machen? In eine Falle zu tappen? Oder in gefährlichen Situationen sogar Leben gerettet?

Viele hochsensible Menschen haben, auf Grund Ihrer „Andersartigkeit“, in ihrer Vergangenheit eher negative Erfahrungen gemacht. Sie neigen dazu, ihre Sensibilität zu verstecken. Sie ziehen sich zurück und nicht selten höre ich von ihnen, dass sie nicht mehr hochsensibel sein wollen. Dass es ein Fluch ist und sie einfach nur ein „normales“ Leben führen möchten.

Doch es gibt auch die andere, wertvolle Seite. Die ausgeprägten emphatischen Fähigkeiten. Eine hohe Intuition. Die Wahrnehmung von Sinneseindrücken, die anderen Menschen verborgen bleiben.

Rufe dir deshalb die positiven Situationen wieder ins Gedächtnis und schreibe sie auf. Vielleicht sogar hier in den Kommentaren, um andere damit zu inspirieren. Denn Hochsensibilität ist nicht nur ein Fluch, sondern auch ein Segen 💛

„Der Schmerz eines anderen, ist nicht dein Schmerz.“

Was im ersten Moment vielleicht ein bisschen provokativ klingt, hat, beim genaueren Hinschauen, einen ganz wertvollen Hintergrund. Denn es geht darum, sich gut abzugrenzen und somit für andere unterstützend da sein zu können. Der Unterschied liegt dabei in der Bedeutung von mitFÜHLEN und mitLEIDEN.

Beim Mit-Leiden hängst du selbst emotional in dem schwarzen Loch. Es geht dir dadurch nicht gut und du überträgst den ganzen Schmerz des anderen mit auf dich. Du schadest damit dir selbst und kannst nicht für den anderen da sein.

Mit-Gefühl bedeutet jedoch eine ganz klare Abgrenzung vom Schmerz des anderen. Du versetzt dich in die jeweilige Situation hinein, leidest jedoch selbst nicht darunter. So hast du ausreichend Energie und Kapazitäten, um für die andere Person da zu sein… sie z.B. trösten und unterstützen. So habt ihr beide etwas davon und könnt etwas Positives daraus entstehen lassen.

Du hast keine Hochsensibilität, du BIST hochsensibel 💛

Alles, was man hat: Husten, Schnupfen, Kopfschmerzen… da kann man etwas dagegen machen. Du kannst z.B. zum Arzt gehen und bekommst Medikamente dagegen verschrieben, die dann dafür sorgen, dass du schnell wieder gesund bist. Aber Hochsensibilität ist keine Krankheit und du brauchst deshalb auch nicht zum Arzt zu gehen.

Denn hochsensible Menschen haben besondere Persönlichkeitsstrukturen, die sie ausmachen. Sie haben also keine Hochsensibilität, die man einfach so weg machen kann. Sie sind hochsensibel. Dazu gehört z.B., dass sie Sinneseindrücke viel stärker wahrnehmen und viel feinfühliger sind. Es wird gesagt, dass sie eine starke Intuition und hohe emphatische Fähigkeiten besitzen. Hochsensible Menschen leben mit all diesen Besonderheiten. Und sie gehören zu ihrer individuellen Persönlichkeit.

Gegen Hochsensibilität kann und sollte man deshalb auch nichts „machen“. Ganz im Gegenteil! Hochsensible Menschen dürfen lernen, mit ihren Fähigkeiten besser umzugehen, sie wertzuschätzen und bewusster einzusetzen. Sie dürfen ihre persönlichen Herausforderungen angehen, um im Alltag und Berufsleben besser klar zu kommen. Anstatt die Persönlichkeit hochsensibler Menschen klein zu machen, sollte sie von der Gesellschaft gefördert und akzeptiert werden. Denn in ihr stecken ganz ungeahnte Möglichkeiten, die es zu entdecken gilt.

Fähigkeiten, die heutzutage ganz besonders gebraucht werden. Die vor allem auch Unternehmen einen großen Nutzen bringen können, wenn sie denn optimal gefördert werden. Denn hochsensible Menschen haben einen so genannten „6. Sinn“, der vor allem dann zum Tragen kommt, wenn alle rationalen Ressourcen erschöpft sind. Jetzt ist die Zeit, genau das zu erkennen. Die große Stärke der leisen Menschen, deren Worte in dieser doch sehr lauten Welt leider immer noch viel zu oft überhört werden.

Warum ich mich für Hochsensibilität stark mache 💛🙏🏻

Kristin, warum sprichst und schreibst du in letzter Zeit so viel über Hochsensibilität?

Der ein oder andere hat sich vielleicht schon die Frage gestellt, warum ich in letzter Zeit immer mehr über das Thema Hochsensibilität spreche und schreibe. Kurz gesagt: Ich möchte das Thema Hochsensibilität mehr in den Fokus der Gesellschaft rücken. Ich möchte aufklären, darüber sprechen und anderen hochsensiblen Menschen die Augen dafür öffnen, dass sie NICHT krank sind und auch NICHT zum Arzt müssen. Sondern, dass sie eine wunderbare Gabe besitzen, in welcher ungeahntes Potential steckt. Die im Privaten und in Unternehmen erkannt und gefördert werden sollte. Weil sie, meiner Meinung nach, unbedingt gebraucht wird… ganz besonders in der heutigen Zeit.

So lange ich denken kann, hatte ich immer wieder das Gefühl, anders zu sein als die Menschen um mich herum. Dass mir die Welt da draußen viel zu laut ist. Dass ich viel mehr wahrnehme, als andere. Dass ich mehr Rückzugsmöglichkeiten brauche. Dass ich oft lieber allein für mich bin, als im Trubel zu sein. Und ich habe, während meines Lebens, immer wieder Sprüche gehört wie: „Nun reiß dich doch mal zusammen!“ oder „Sei doch nicht immer so sensibel!“ Und ich traf, besonders in meiner Jugend und Studienzeit, sehr oft auf Unverständnis, wenn ich mich zurückziehen wollte. Deshalb bin ich viel zu oft über meine persönlichen Grenzen gegangen, nur um dazuzugehören und keine Außenseiterin zu sein. Doch das endete dann sehr häufig in extremer, körperlicher und auch seelischer Erschöpfung.

Mit fast 30 stieß ich dann auf einen Artikel im Internet, in welchem es um Hochsensibilität ging. Und ich hatte sofort das Gefühl: „Die schreiben über mich!!!“ Ich besorgte mir schließlich die Bücher von Elaine Aron und entdeckte nach und nach meine eigene Hochsensibilität. Und das, hat mein Leben komplett verändert! Denn seitdem bin ich dabei, meine Gabe immer mehr anzunehmen und in meinen Alltag sowie meine Arbeit ganz bewusst zu integrieren.

Somit rückte das Thema immer mehr in den Mittelpunkt meines Lebens. Und es kamen immer wieder Menschen auf mich zu, die Ähnliches erlebt haben. Die sich in meinen Erzählungen wieder finden. Die ihre Andersartigkeit leider viel zu oft als etwas Negatives fühlten. Und das bis zum heutigen Tage. Leider herrscht in unserer Gesellschaft immer noch viel zu wenig Wissen und Aufklärung über dieses Thema. Es gibt immer noch zu viel Stigmatisierung. Zu viel Mobbing. Zu viel Negativität, die dann oft in Depression und anderen psychischen sowie physischen Beschwerden endet.

Doch all das muss nicht sein. Es kann anders werden, wenn wir Hochsensibilität früh genug erkennen. Wenn wir mit ihr umgehen lernen, sie zu schätzen wissen und hochsensible Menschen individuell fördern. Deshalb ist es mir ein großes, persönliches Anliegen, Hochsensibilität mit allem was dazu gehört, mehr in den Fokus der Gesellschaft zu rücken. Darüber aufzuklären. Es als eine wunderbare Gabe zu beschreiben, in der so unglaublich viel Potential steckt! Menschen zu ermutigen und zu motivieren, zu ihrer Hochsensibilität zu stehen. Sie stark zu machen für ihren Platz in der Gesellschaft. Und all das immer mehr in meine Arbeit zu integrieren. Mit dem Wunsch nach mehr Sichtbarkeit und Anerkennung für uns hochsensible Menschen 💛

#Entfremdung

Ein Jahr #Corona. Seit einem Jahr nun hält das Virus unsere Welt in Atem und noch immer ist kein Ende in Sicht. Eher das Gegenteil scheint der Fall. Das Chaos wächst. Und dabei könnte es doch so einfach sein. Während in anderen Ländern die Impfung immer weiter voran schreitet, versinkt Deutschland in der Bürokratie. Es ist ein ständiges Auf und Ab. Im Verlauf der Pandemie, in der Wirtschaft und auch emotional.

Als die Pandemie begann sagte ich: „Es fühlt sich an, als würden wir mitten in einem schlechten Katastrophenfilm stecken.“ Mittlerweile ist daraus eine nicht enden wollende Serie geworden. Eine Serie, bei der ich am liebsten Abschalten würde. Bei der ich mich frage, wer da eigentlich so ein unrealistisches Drehbuch geschrieben hat. Wer sich die oft platten Dialoge ausgedacht hat. Und wer die Akteure zum Großteil so schlecht gecastet hat.

Aber gut, zurück zum eigentlichen Thema. Entfremdung. Nach einem Jahr fühlt es sich für mich so an, als wäre das, was da draussen passiert, nicht mit meinem Leben vereinbar. Als wäre das alles nicht real. Und trotzdem weiß ich, dass es real ist. Surreal, oder? Und dabei spreche ich nicht unbedingt von den Maßnahmen und Restriktionen.

Nie hätte ich mir vorstellen können, dass Geschichte sich doch so wiederholen kann. Dass Menschen sich so voneinander entfremden. Dass sie sich gegenseitig anfeinden, angreifen und so viel Frust, Wut und Hass sichtbar wird.

Ein für mich sehr bewegendes Buch ist „The Stand“ von Stephen King. Darin geht es um ein tödliches Virus, welches die Welt in zwei Lager spaltet: Gut und Böse. Es war das erste Buch, dass ich von Stephen King gelesen habe. Und ich dachte damals: Wow! Was für eine faszinierende Geschichte! Damals hätte ich mir nie vorstellen können, dass ein Virus die Menschheit wirklich in diesem Maße spalten kann. Und doch ist genau das nun Realität.

Und alles fühlt sich mittlerweile so fremd an. Die Gesellschaft, in der ich mich immer relativ sicher und wohl gefühlt habe, wird nun extrem durchgeschüttelt. Macht mir das Angst? Nein, das nicht. Denn ich weiß, dass es letztendlich nach jeder Krise einen Aufschwung geben wird. Dass aus scheinbar Kaputtem immer wieder Neues entstehen kann. Was mich von Zeit zu Zeit mürbe macht, ist das Warten. Das scheinbar endlose Warten auf das Ende… das ja gleichzeitig wieder ein Anfang ist.

In der Presse kursiert derzeit das Wort #mütend. Das trifft es für mich nicht ganz. Ja, ich bin müde. Müde vom Warten. Doch wütend? Was erreiche ich dadurch, dass ich wütend bin? Wut erzeugt Stress. Stress führt dazu, dass mein Gehirn nicht mehr richtig arbeiten kann. Doch Denken ist wichtig, besonders in diesen Zeiten. Wut hindert mich daran, mich auf das vorzubereiten, was der Krise folgen wird. Und Wut hindert mich daran, Entscheidungen zu treffen. Entscheidungen, die wichtig und bedeutsam für mich und das Leben anderer sind.

Ja, alles fühlt sich irgendwie fremd an. Eine Entfremdung von der Routine. Von meinem alten Leben. Von alten gesellschaftlichen Strukturen. Doch ist nicht alles immer im Wandel und Veränderungen unterlegen? Also versuche ich, diese Entfremdung als etwas Positives zu sehen. Als eine Chance auf etwas Neues und Wunderbares. Und ich bin mir sicher, dass nach dieser Krise die Menschen auch wieder mehr zusammen wachsen werden. Dass wir wieder mehr aufeinander zugehen. Und ich hoffe, dass wir dann auch einander vergeben und gemeinsam nach vorn schauen können.