Vielleicht kennst du das auch: Du fรผhrst mit jemandem ein Gesprรคch (egal ob geschรคftlich oder privat) und plรถtzlich bricht dein Gegenรผber in Trรคnen aus. Oder wird wรผtend. Wie gut kannst du damit umgehen?
Oder betrachten wir das Ganze doch einmal von der anderen Seite: Du befindest dich in einem Gesprรคch… doch plรถtzlich triggert dich ein Satz oder ein bestimmtes Wort und dann bist du die Person, die in Trรคnen ausbricht.
Stauen wir Emotionen zu lange in uns auf oder schieben wir unsere persรถnlichen Baustellen immer wieder zur Seite, kann es fast jederzeit dazu kommen, dass uns unsere Emotionen ohne Vorwarnung รผberrollen und wir dann keine Kontrolle mehr darรผber haben. Und wenn wir nicht in der Lage dazu sind, uns in diesen Momenten selbst zu regulieren, dann kรถnnen wir es auch nur sehr schwer aushalten, wenn andere Menschen in unserer Gegenwart emotional werden.
Zum Glรผck gibt es Mรถglichkeiten, die uns in solchen Situationen helfen kรถnnen. Mehr dazu im รผbernรคchsten Abschnitt. Vorher mรถchte ich jedoch noch kurz darauf eingehen, welchen Einfluss Hochsensibilitรคt auf das Thema Emotionen hat.

Hochsensible Menschen nehmen Sinnesreize intensiver wahr. Ihre Empathie und Tiefgrรผndigkeit fรผhren auรerdem dazu, dass Emotionen einen stรคrkeren Einfluss auf sie haben. Das Gehirn funktioniert einfach anders als bei normal sensiblen bzw. neurotypischen Menschen. Intensives Fรผhlen und Erleben sowie das Hineinversetzen in die unterschiedlichsten Situationen und Szenarios gehรถrt bei hochsensiblen Menschen zum Alltag.
Doch viele Hochsensible leben oft noch unentdeckt und sind Meister der Anpassung geworden. Sie sind sich ihrer eigenen Hochsensibilitรคt oft gar nicht bewusst und haben รผber die Jahre hinweg gelernt, ihre wahren Emotionen zu verstecken. Weil es oft einfach unbequem ist, immer wieder als „Sensibelchen“ abgestempelt zu werden.
Das Ergebnis ist, dass sie emotionale Situationen hรคufig mit sich selbst ausmachen oder einfach alles in sich hinein fressen. Kommt dann ein Auslรถser bzw. „Trigger“ von auรen, so lรถsen sich plรถtzlich die aufgestauten Emotionen und die eigene Kontrolle darรผber geht verloren.
Deshalb ist es so wichtig, sich seiner eigenen Hochsensibilitรคt bewusst zu sein. Sie zuzulassen, sie wieder zu entdecken und mit ihr umgehen zu lernen. Sich selbst gut regulieren zu kรถnnen. Und somit auch fรผr andere Menschen da sein zu kรถnnen ohne vom Mitgefรผhl ins selbstschรคdigende Mitleid abzurutschen.

Sich deiner eigenen Emotionen bewusst zu werden, um anschlieรend gut mit ihnen umgehen zu kรถnnen, ist oft ein lรคngerfristiger Prozess. Die folgenden Schritte kรถnnen dir jedoch gut dabei helfen, in herausfordernden Situationen zukรผnftig besser zu reagieren:
- Nimm deine Emotionen ganz bewusst wahr. Welche kรถrperlichen Symptome zeigen sich? Was passiert in dir?
- Frage dich, was genau der Auslรถser bzw. „Trigger“ fรผr deinen emotionalen Ausbruch war. Was kannst du tun, damit das zukรผnftig nicht wieder passiert?
- Wenn du merkst, dass dein Kรถrper anfรคngt zu reagieren: Erschaffe dir eine Art „Notfall- bzw. Pauseknopf„, den du in Gedanken drรผcken kannst. Dann atme mehrmals tief durch, um dich selbst zu regulieren oder verlasse die emotionale Situation, um Abstand zu erhalten.
- Wenn du emotional reagierst, werden in deinem Kรถrper zahlreiche Hormone ausgeschรผttet, die das Denken blockieren. Erst, wenn diese Hormone wieder abgebaut sind (was รผbrigens eine ganze Weile dauern kann…) bist du wieder in der Lage, richtig zuzuhรถren und klar zu denken.
- Was genau sind bzgl. der emotionalen Situation deine Gedanken? Wie tragen sie dazu bei, dass du die Kontrolle verlierst?
- Wie sprichst du grundsรคtzlich mit dir selbst? Sind das wirklich deine eigenen Gedanken oder Glaubenssรคtze, die von anderen Menschen aus deiner Vergangenheit stammen?
- Was sind konkrete Dinge, die du tun kannst, wenn du in einem Gesprรคch emotional wirst? (z.B. Atmung kontrollieren, an etwas Angenehmes denken, um eine kurze Pause bitten etc.)
Natรผrlich ist das nur eine kleine Auswahl von Impulsen, die gern ergรคnzt werden dรผrfen. Grundsรคtzlich geht es darum, deine Emotionen zu erkennen, dir den Auslรถsern bewusst zu werden und deine Emotionen zukรผnftig selbst regulieren zu kรถnnen.
Gern unterstรผtze ich dich dabei, deinen eigenen Weg zu finden.

Die Redakteurin Henriette Maslo-Dangl vom ORF hat eine Dokumentation รผber Hochsensibilitรคt ins Leben gerufen und ausgewรคhlte Menschen zu diesem Thema interviewt. Ich durfte eine von ihnen sein.


Heute mรถchte ich mich kurz dem Thema „Emotinale Intelligenz“ widmen und warum sie so erfolgreich macht.
- Emotionale Intelligenz bezeichnet das Erkennen bzw. Wahrnehmen von Emotionen, das Verstehen der wahrgenommen Emotion sowie die Fรคhigkeit zur Regulierung der Emotion. Das alles kann auf die eigenen Emotionen oder die fremder Menschen bezogen werden.
- Wรคhrend das Erkennen von Emotionen eher Talent bezogen ist, ist das Verstehen und Regulieren von Emotionen eine Kompetenz. Das bedeutet, du kannst sie aktiv รผben und traineren.
- Hochsensible Menschen sind von Natur aus wahre Talente darin, Emotionen bei anderen zu erkennen.
- Die kognitive Intelligenz steht in enger Beziehung mit dem Talent, Emotionen zu erkennen und der Kompetenz, Emotionen zu verstehen.
- Die Fรคhigkeit, Emotionen bei sich und anderen zu erkennen, ist ein wichtiger Faktor fรผr den Erwerb von Kompetenzen zum Verstehen und Regulieren von Emotionen.
Zusammenfassend kann man sagen, dass es Menschen gibt, die von Natur aus sehr gut darin sind, Emotionen bei sich und anderen zu erkennen. Das Verstehen von Emotionen sowie deren Regulierung, kann man jedoch sehr gut รผben und trainieren.
Die Kรผnstliche Intelligenz (KI) ist mittlerweile รผbrigens so weit, dass sie Emotionen, an Hand von Gesichtsausdrรผcken, verlรคsslich erkennen und sogar Vorhersagen fรผr den Erfolg von Psychotherapie treffen kann. Verrรผckt, oder?!
[Quelle: Forschung & Lehre, mdr Wissen]

In meiner aktuellen Podcast-Episode spreche ich รผber den Einfluss von Emotionen auf wichtige Gesprรคche und greife damit das Thema dieses Newsletters noch einmal auf.
Meinen Podcast findest du รผberall dort, wo es Podcasts gibt, z.B. auf Apple Podcasts, Google Podcasts, YouTube Podcasts, Spotify, Podimo etc.

Mein Learning der Woche hat dieses Mal mit dem Thema Kรผnstliche Intelligenz (KI) zu tun:
Wusstest du, dass Soft Skills in Zeiten von KI auf dem Arbeitsmarkt immer wichtiger werden?
Wo du frรผher durch Fachwissen glรคnzen konntest, darfst du heute mit deiner Persรถnlichkeit รผberzeugen. Denn Soft Skills, wie z.B. Emotionale Intelligenz, Fรผhrungs- und Problemlรถsefรคhigkeiten sowie echte Empathie, kann KI (noch?!) nicht.

Wie gut kannst du mit Emotionen bei dir und anderen umgehen? Welche Methoden und Techniken nutzt du zur Selbstregulierung? Welche Informationen hast du, die anderen einen Mehrwert bieten kรถnnen?
Ich freue mich รผber deine Gedanken dazu.
Sei herzlichst gegrรผรt,
Kristin
PS: Mehr Infos zu mir und meiner Arbeit findest du auf meiner Website.


