Darf ich andere Personen auf ihre Hochsensibilität ansprechen?

Meine Antwort darauf: Ja! Allerdings solltest du dabei nicht mit der Tür ins Haus fallen. Denn, was passiert, wenn wir selbst von anderen auf etwas sehr Persönliches angesprochen werden? Meist reagiert erst einmal unser so genanntes „Reptiliengehirn“ und wir schalten in den Verteidigungsmodus. 

Deshalb ist es besser, deine Vermutung als eine Art Geschenk zu verpacken bzw. durch die Blume zu sprechen. Das kannst du tun, indem du z.B. der anderen Person von einem Artikel oder Beitrag erzählst, in dem es um das Thema Hochsensibilität ging, und dass dich dieser Beitrag an die jeweilige Person erinnert hat. 

Dann hat dein Gegenüber die Möglichkeit, selbst zu dem Thema zu recherchieren und selbst zu der eigenen Erkenntnis zu kommen. Denn da das Thema Hochsensibilität immer noch recht neu ist, habe ich die Vermutung, dass vielen ihre eigene Hochsensibilität gar nicht bewusst ist. Und deshalb kann es durchaus hilfreich sein, andere liebevoll auf dieses Thema hinzuweisen.

Letzten Endes kann das Erkennen der eigenen Hochsensibilität eine extreme Erleichterung nach sich ziehen. Denn ab dann ist man in der Lage dazu, zukünftig besser mit den eigenen Besonderheiten und Herausforderungen umzugehen. 

Nicht alle hochsensiblen Menschen sind Engel…

Normalerweise wird der Begriff „Hochsensibilität“ gern mit Eigenschaften wie z.B. empfindsam, feinfühlig und liebevoll verbunden. Grundsätzlich ist dem auch so. Doch ich bin vor kurzem auf einen Satz gestoßen, der da hieß: „Nicht alle hochsensiblen Menschen sind Engel!“ Und er trifft es genau auf den Punkt. 

Durch ihre empathischen und intuitiven Fähigkeiten sind viele hochsensible Menschen dazu in der Lage, hinter die Fassade zu blicken und zwischen den Zeilen zu lesen. Sie nehmen Sinneseindrücke und Stimmungen viel intensiver wahr. Durch ihre Möglichkeit, gut zuhören zu können, gewinnen sie relativ schnell das Vertrauen anderer und erfahren deshalb möglicherweise Informationen, die anderen verborgen bleiben.

Diese Fähigkeiten und dieses Wissen kann jedoch, in bestimmten Situationen, durchaus auch zu negativen Zwecken genutzt werden. Zum Beispiel, um andere zu verletzen oder zu manipulieren. Dies ist jedoch, zum Glück, eher die Ausnahme. 

Zurückhaltung in Gesprächen als deine persönliche Stärke

Ich hatte bereits darüber gesprochen, dass viele hochsensible Menschen sich in Meetings und Gesprächsrunden eher zurückhalten. Warum genau das jedoch eine existentielle Stärke sein kann, beschreibe ich dir hier.

Durch die eher passive Rolle haben zurückhaltende Menschen in Gesprächsrunden den Raum und die Möglichkeit dazu, die anderen Personen zu beobachten und zu analysieren. Durch die besonderen Fähigkeiten hochsensibler Menschen gelingt es dadurch, selbst kleinste Details im Auftreten und Verhalten anderer wahrzunehmen, welche den sprechenden Menschen verborgen bleiben.

Und genau diese Fähigkeit, sowie die daraus entstehenden Erkenntnisse, können genau DAS fehlende Puzzleteil bezüglich einer anstehenden Problemlösung sein. Insbesondere in wichtigen Verhandlungsgesprächen.

Demnach sind zurückhaltende Menschen in Gesprächsrunden den anderen gleichwertig. Sie besetzen nur einfach eine andere Rolle. Und es tut, meiner Meinung nach, extrem gut daran, mindestens eine Person mit im Raum zu haben, welche diese Beobachterrolle einnimmt  und im Nachhinein ihre wichtigen Erkenntnisse in den Gesamtprozess mit einbringt. 

Hochsensible Menschen halten sich in Meetings eher zurück…

In Meetings und Gesprächsrunden halten sich viele hochsensible Menschen eher zurück und treten dadurch in den Hintergrund. Das kann dazu führen, dass sie im Extremfall komplett übergangen werden. 

Des weiteren kann es bei den anderen Personen Unbehagen auslösen. Die Zurückhaltung könnte als arrogant oder sogar als Desinteresse angesehen werden. 

Allerdings gewinnen Schweigende in Gesprächsrunden mit der Zeit auch immer mehr an Einfluss. Es könnte somit auch sein, dass das Interesse der anderen an der schweigenden Person immer mehr steigt. Was geht in ihrem Kopf vor? Was ist es, das sie zu sagen hat?

Wenn du in deiner Gesprächsrunde selbst jemanden hast, der sich immer wieder zurück hält: Beziehe diese Person beim nächsten Mal ganz konkret in das Gespräch mit ein. Stelle ihr direkte Fragen oder überlasse ihr am Ende das Wort. 

Bist du selbst die schweigende Person in Meetings, so mach dir bewusst, wie du dadurch auf andere wirken könntest. Dann gibt es zwei Möglichkeiten der Veränderung: Entweder bittest du den Moderator darum, dir während der Gesprächsrunde direkt das Wort zu erteilen. So kannst du dich gut auf deinen Einsatz vorbereiten. Oder du nutzt deine Zurückhaltung ganz bewusst dafür, um in der Gesprächsrunde an Einfluss zu gewinnen. Dir sollte dabei jedoch unbedingt bewusst sein, dass das sowohl in eine positive als auch in eine negative Richtung führen kann. 

Solltest du deine eigene Hochsensibilität in deinem Umfeld kommunizieren?

Ich bekomme immer wieder die Frage gestellt, ob du im persönlichen Umfeld oder auch auf Arbeit deine eigene Hochsensibilität ansprechen solltest. Diese Frage in nur einem Satz zu beantworten ist schwierig. Denn es kommt immer auf die jeweilige Situation an.

Leider hat das Thema Hochsensibilität in den letzten Jahren einen etwas negativen Touch bekommen. Es scheint manchmal, dass Menschen extra hochsensibel sein wollen, weil es gerade „in“ ist und dann bei jeder Kleinigkeit betonen, dass sie dies oder das nicht machen oder ertragen können, weil sie ja hochsensibel sind. Das kann dann dazu führen, dass das Thema im Umfeld oder allgemein in der Gesellschaft, nicht wirklich ernst genommen wird. Des Weiteren fällt es Menschen, die nicht hochsensibel sind, auch schwer, wirklich zu verstehen, was Hochsensibilität für die „Betroffenen“ eigentlich bedeutet. 

Deshalb ist meine Empfehlung: Wenn du das Gefühl hast, dass es von Vorteil für dich sein kann, von deiner Hochsensibilität zu erzählen: Erzähle es. Bedenke jedoch, dass du dich selbst damit auch mit einem Stigma besetzt, was dann in den jeweiligen Situationen zu einer „Sich-selbst-erfüllenden-Prophezeiung“ führen kann. 

Grundsätzlich finde ich es jedoch sehr wichtig, dem Umfeld deine eigenen Bedürfnisse mitzuteilen. Was genau brauchst du, um dich in deiner Partnerschaft, mit deiner Familie und Freunden oder an deinem Arbeitsplatz wohl zu fühlen? Dabei musst du nicht zwingender Weise von Hochsensibilität sprechen, sondern kannst dich ganz konkret auf die jeweilige Situation beziehen. Somit umgehst du eine eventuelle Stigmatisierung und kannst trotzdem positive Veränderungen in deinem Umfeld erreichen.

Wie habe ich meine eigene Hochsensibilität entdeckt?

Ich werde immer einmal wieder gefragt, wie ich denn eigentlich selbst heraus gefunden habe, dass ich hochsensibel bin. Mehr als die Hälfte meines Lebens lebte ich mit dem Gefühl, irgendwie anders zu sein und nicht wirklich in diese laute und schnelle Welt hinein zu passen. 

Erst mit Ende 20 las ich durch Zufall einen Artikel im Internet, in welchem es um das Thema Hochsensibilität ging und ich dachte: „Die schreiben über mich!!!“ Noch nie zuvor hatte ich mich so gefühlt. Verstanden, erkannt und angenommen. Dieser Artikel brachte mich dazu, mich intensiver mit dem Thema Hochsensibilität auseinander zu setzen.

Ich besorgte mir zwei Bücher von Elaine N. Aron, der Begründerin der Hochsensibilität. Zum einen das Buch „Sind Sie hochsensibel?“ und zum anderen das dazu gehörige Arbeitsbuch. Beide Bücher arbeitete ich über einen längeren Zeitraum hinweg durch und es veränderte mein gesamtes Leben.

Ich hatte endlich das Gefühl, mit meiner „Andersartigkeit“ nicht mehr allein zu sein. Ich verstand rückblickend vieles besser und konnte ab da an mein Leben besser auf meine Bedürfnisse ausrichten. Heute weiß ich, warum ich so bin, wie ich bin. Und dass es nicht nur ein Fluch, sondern auch ein Segen ist. Dass in Hochsensibilität viele ungeahnte Fähigkeiten und Potentiale stecken, die es zu erkennen, zu fördern und anzunehmen gilt. Am besten schon von Kindheit an. 

Mittlerweile versuche ich, den doch eher stillen, hochsensiblen Menschen eine Stimme zu geben. Sie sichtbar zu machen. Über das Thema aufzuklären und zu informieren. Hochsensiblen Kindern und Erwachsenen Mut zu machen, dass sie genau richtig sind, so wie sie sind. Ihre Potentiale zu entdecken und zu entfalten. Um so ihren Platz in dieser Welt zu finden, sie mit ihren Fähigkeiten zu bereichern und für sich persönlich ein glückliches Leben führen zu können. 

Mut zur Wahrheit in zwischenmenschlichen Beziehungen.

Warum fällt es eigentlich so vielen Menschen schwer, in zwischenmenschlichen Beziehungen Klartext zu reden? Egal, ob im beruflichen oder privaten Kontext: Um unangenehme Gespräche zu vermeiden, werden entweder Beschwichtigungen bevorzugt, das angesprochene Thema wird einfach ignoriert oder es kommt zum „Ghosting“, welches den wortlosen Kontaktabbruch in zwischenmenschlichen Beziehungen bedeutet.

Doch gehören zu einem wertschätzenden und respektvollen Umgang miteinander nicht auch Konfrontationen? Dass man dem Gegenüber seine eigenen Gedanken und Gefühle mitteilt? Um Dialoge zu führen? Um Missverständnisse auszuräumen? Oder um vielleicht sogar zu erkennen, dass man besser getrennte Wege gehen sollte?

Ich persönlich finde es viel schlimmer, wortlos zurückgelassen zu werden und keine Antworten auf Fragen zu erhalten. Vor allem dann, wenn ich spüre, dass in der zwischenmenschlichen Beziehung irgendetwas nicht stimmt. Ich suche lieber den Dialog. Um persönlich daran zu wachsen. Um Störungen oder eventuelle Missverständnisse zu erkennen. Und um die eigentlichen Beweggründe und Verhaltensweisen meines Gegenübers zu verstehen. Wie stehst du zu diesem Thema?

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„Nein!“

Wie oft hast du in deinem Leben schon „Ja.“ gesagt, obwohl du eigentlich „Nein!“ gemeint hast?

Wieso haben wir eigentlich so oft Angst davor, „Nein!“ zu sagen? Denn viel zu oft sagen wir „Ja.“, obwohl wir „Nein!“ meinen. Um nicht negativ aufzufallen. Um uns nicht erklären zu müssen. Um dazuzugehören.

Doch übergehen wir mit jedem unechten „Ja.” unsere eigenen Grenzen. Wir stehen in diesem Moment nicht zu dem, was uns wichtig ist und belügen uns selbst.

Mit einem klaren „Nein“ jedoch, tust du etwas für dein Wohlbefinden. Du zeigst deine eigene Grenzen auf und sorgst gut für dich.

Also, das nächste Mal, wenn du etwas nicht willst… wenn du z.B. nicht mit auf diese Party möchtest, wenn du von jemandem Abstand wünschst oder, wenn dir einfach alles zu viel wird… dann sage ganz bewusst: „Nein!“ Ein „Nein!“ bedarf übrigens grundsätzlich keinerlei Erklärungen oder gar Rechtfertigung.

Und auch, wenn es sich am Anfang vielleicht komisch anfühlt und es dir schwer fällt, so wird es doch von Mal zu Mal einfacher werden und du wirst dich immer wohler damit fühlen.

Denn mit einem „Nein!“ bist du nicht in erster Linie gegen etwas, sondern tust etwas Gutes für dich. Sorge gut für dich 💛

So kannst du dich von negativen Einflüssen besser abgrenzen.

Abgrenzung ist nicht nur über die Osterfeiertage ein spannendes Thema. Besonders hochsensiblen Menschen fällt es schwer, zu viele Sinnesreize bewusst zu filtern und Störendes auszublenden. So kommt es relativ schnell zur Überreizung. Und nicht in jeder Situation ist es möglich, sich zurückzuziehen, um Ruhe zu tanken.

Zum einen ist es deshalb besonders wichtig, „Nein!“ zu sagen, wenn du etwas nicht willst oder dir etwas zu viel wird. Sollte das jedoch einmal nicht möglich sein, so hilft es mir, wenn ich mir vorstelle, ich hätte eine Art Schutzhülle um mich herum, vielleicht vergleichbar mit einer Seifenblase. Daran prallt alles ab, was einen negativen Einfluss auf mich haben könnte. In ihrem Inneren bin ich sicher und geschützt. Diese Vorstellung hilft mir besonders dann, wenn ich mich im öffentlichen Raum bewege. Wenn ich z.B. in der Stadt unterwegs bin oder auf Veranstaltungen mit vielen Menschen.

Wenn du es schaffst, das in deinen Alltag zu integrieren, so wirst du dich automatisch wohler fühlen und deine Energie viel besser im Griff haben. Ich wünsche dir viel Erfolg dabei 💛

Wann brauche ich eigentlich ein Coaching?

Kristin, wann brauche ich eigentlich ein Coaching?

Das ist eine wirklich gute Frage! Denn meiner Erfahrung nach suchen sich Menschen erst dann wirklich Unterstützung, wenn sie bereits tief in einer Krise oder Herausforderung stecken. Wenn sie merken: Oh Mann, hier komme ich jetzt allein irgendwie nicht mehr raus! Dann geht es vor allem darum, Brände zu löschen und kurzfristige Erfolgserlebnisse zu kreieren. Ist diese Krise dann, aus Sicht meiner Klienten, erstmal bewältigt, so scheint dann oft auch das Coaching nicht mehr notwendig.

Doch genau da liegt der Fehler. Denn es ist natürlich eine tolle Unterstützung, in schwierigen Zeiten einen Coach an seiner Seite zu haben. Doch ist es auch in ruhigen Zeiten existenziell, das Coaching weiterzuführen. Denn das Coaching hilft nicht nur dabei, Brände zu löschen, sondern es kann auch langfristig dafür sorgen, dass Brände erst gar nicht mehr ausbrechen oder das Feuer bereits beim ersten Funken erstickt werden kann.

Ein kurzes Beispiel: In einem Unternehmen kommt es immer wieder zu Unstimmigkeiten zwischen zwei Kollegen. Die Kurve geht dabei immer hoch und runter. Es geht eine ganze Weile gut, dann kommt es wieder zum Streit, dann geht es wieder eine ganze Weile gut, dann kommt es wieder zum Streit usw. Nun kann man sich, während einer der schlechten Phasen, einen Coach suchen, der einem dann dabei hilft, die Situation neu zu betrachten und Lösungswege zu finden, damit der aktuelle Streit letztendlich aufgelöst werden kann. Das kann man damit vergleichen, den Brand zu löschen.

Doch sollte man nach dem Löschen des Brandes nicht mit dem Coaching aufhören. Denn es ist doch viel besser, nach der grundlegenden Ursache der immer wieder aufkeimenden Unstimmigkeiten zu suchen und diese dann ganz konkret zu bearbeiten. Denn nur so kann dem Ausbrechen des nächsten Feuers professionell entgegen gewirkt und langfristige Veränderungen erreicht werden.

Leider ist es jedoch so, dass viele Menschen in guten Zeiten vergessen, dass nach dem Hoch auch wieder ein Tief folgen könnte. Insbesondere dann, wenn es ein immer wiederkehrendes Thema ist. Und dass es deshalb sinnvoll ist, ein Coaching über längere Zeit als wertvolle Unterstützung zu sehen, um genau dem entgegenzuwirken.