Hochsensible Menschen haben oft verlernt, auf ihren Körper zu hören.

Dadurch, dass hochsensible Menschen oft Perfektion anstreben, sehr harmoniebedürftig sind und es gern allen Recht machen, gehen sie sehr oft über ihre körperlichen Grenzen und ignorieren die Warnsignale ihres Körpers.

Dabei ist Abgrenzung und Erholung gerade für sie extrem wichtig. Die eigenen Grenzen zu kennen und für diese auch einzustehen. Um nicht in eine Abwärtsspirale zu gelangen, die sie immer weiter nach unten zieht und letztendlich in einem Burn-Out endet.

Ich erinnere mich noch sehr gut an eine Situation während meines Studiums. Es ging darum, Samstag Abend mit auf eine Party zu gehen. Normalerweise hätte ich, wie immer, einfach zugesagt. Doch zu dieser Zeit war ich extrem geschafft von meiner Woche voller Studium und Arbeit. Also nahm ich all meinen Mut zusammen und sagte zu meinem besten Freund, dass ich nicht mitkommen würde. Er wunderte sich und fragte, ob ich denn etwas anderes vor hätte. Und ich erklärte ihm, dass mir einfach nicht nach Party ist, ich lieber alleine zu Hause bleiben und mich bei einem guten Film entspannen und ausruhen möchte.

Es fiel ihm damals sehr schwer, das nachzuvollziehen und zu verstehen. Und doch akzeptierte er es. Nach vielen Jahren hat er mir dann erzählt, dass er rückblickend sehr beeindruckt von meinem „Nein“ war. Und dass er damals nie den Mut zu so etwas gehabt hätte.

Und dabei ist es doch so unglaublich wichtig, auf dich und deinen Körper zu hören und danach zu leben. Du brauchst eine ruhige Auszeit, möchtest einmal nur für dich sein und nicht auf diese Party gehen? Okay! Ein „Nein“ ist absolut in Ordnung. Steh zu dir und deinen Bedürfnissen und steh auch dafür ein.

PS: Kennst du eigentlich den Begriff Burn-On? Er ist sozusagen die Vorstufe des Burn-Outs. Da du keine Möglichkeit zur Erholung hast, raffst du ich immer wieder zusammen und gehst immer und immer wieder über deine körperlichen Grenzen. Und somit stehst du immer kurz vorm Burn-Out. Erkennst du dich darin wieder?

Kenne deine Grenzen.

Vielleicht bist auch du in einer Umgebung aufgewachsen, in der du gelernt hast, zu funktionieren. Dich anzupassen. Bloß nicht aufzufallen. Und deine eigenen Bedürfnisse zu verleugnen.

Wo du gespürt hast, dass deine Emotionen oft fehl am Platz waren. Und wo du gelernt hast, diese vor anderen Menschen zu verstecken. Zu maskieren. Und manchmal ging es vielleicht sogar so weit, dass du deine eigenen Emotionen vor dir selbst verleugnet hast und du sie als Schwäche ansahst.

Doch was passiert mit dir, wenn du deine Bedürfnisse immer wieder nach hinten drückst? Sie vielleicht gar nicht mehr wahrnimmst? Wenn du gelernt hast, immer wieder über deine körperlichen und seelischen Grenzen zu gehen? Um bloß nicht aufzufallen? Oder unbequem für andere zu werden?

Tief in dir drin spürst du, dass das nicht der richtige Weg ist. Dass deine Kräfte immer mehr schwinden. Dass du nicht wirklich dein Leben lebst. Du deine Lebensfreude verlierst. Und am Ende vielleicht sogar deinen Lebenssinn.

Deswegen: Spüre in dich hinein. Was sind deine wahren Bedürfnisse? Was brauchst du, um dich wohl zu fühlen? Um genügend Energie zu haben und wieder mehr Lebensfreude zu empfinden?

Kenne deine persönlichen Grenzen und traue dich, diese auch nach außen zu zeigen. Steh für dich und deine Bedürfnisse ein. Damit du wieder zurück zu dir und deiner Kraft findest und in einem Umfeld lebst, das genau das an dir schätzt.

Hochsensible Menschen sind gern gut vorbereitet.

Hochsensible Menschen sind gewissenhaft, tiefgründig, analytisch und können unglaublich gut planen und organisieren. Das tun sie vor allem auch, um negativen Erlebnissen aus dem Weg zu gehen. Um Scheitern zu vermeiden. Und sie können sich sehr gut in andere Menschen hinein versetzen. Diese Fähigkeit verhilft ihnen dazu, sich allumfassend zu informieren und in der Vorbereitung alle Möglichkeiten mit einzubeziehen.

Dass das, gepaart mit Perfektion, auch in Stress ausarten und dazu führen kann, dass sich hochsensible Menschen in Details verlieren, ist offensichtlich. Doch was uns noch mehr aus der Fassung bringt, sind Überraschungen. Unangekündigte Veränderungen. Situationen, auf die wir nicht vorbereitet sind und flexibel reagieren müssen.

Zwar gelingt es, durch unsere Kreativität und unsere Fähigkeit zur Anpassung, uns in solchen Situationen nichts anmerken zu lassen. Doch innerlich bedeutet es für uns unglaublichen Stress. Alle Alarmglocken schrillen und der Körper schüttet Stresshormone aus.

Was helfen kann ist, sich seiner körperlichen Reaktionen bewusst zu sein. Zu akzeptieren, dass wir so funktionieren. In der Evolutionsgeschichte waren hochsensible Menschen dafür da, andere vor Gefahren zu warnen. Was also tun, wenn uns plötzlich, in eigentlich ungefährlichen Situationen, genau diese Fähigkeit zu schaffen macht?

Atme ganz bewusst mehrmals tief ein und aus. Mach dir bewusst, dass auch solche Situationen ihr Gutes haben können und versuche, dich genau auf diesen Aspekt zu konzentrieren. Vielleicht kannst du dich das nächste Mal schon viel besser darauf vorbereiten. Und es hilft außerdem, deine Befindlichkeiten auch nach außen zu kommunizieren und darum zu bitten, zukünftig auf Überraschungen und kurzfristige Änderungen zu verzichten.

Hochsensible Menschen reagieren stärker auf Stress.

Bei hochsensiblen Menschen können Sinnessreize im Gehirn nicht ausreichend gefiltert werden. Das bedeutet, dass selbst unwichtige Reize, wie z.B. die Gespräche am Nachbartisch, die Hintergrundmusik beim Einkaufen oder das Parfum des Gesprächspartners nahezu ungefiltert das Gehirn erreichen. Sie sindSie sind also ständig damit beschäftigt, diese Reize zu verarbeiten und in wichtig und unwichtig einzuteilen.

Das alles führt zu einer schnelleren Überreizung und kann sich in, welche sich in körperlichen Symptomen, wie z.B. Verspannungen, Kopfschmerzen, Kopfschmerzen, schneller Ermüdung oder Magen-/Darmbeschwerden äußern. äußern kannAuch bei Emotionen reagieren hochsensible Menschen stärker als der Durchschnitt. So kann es passieren, dass wir selbst positive Ereignisse, wie z.B. Überraschungen, Reisen oder Konzerte, nicht wirklich genießen können.

Um trotzdem in dieser schnellen und hektischen Welt bestehen zu können, ist es wichtig, dass sich hochsensible Menschendass sich hochsensible Menschen ausreichend Auszeiten und Ruheräume schaffen. Damit ihr Gehirn dazu in der Lage ist, die Eindrücke auch wirklich alle verarbeiten zu können.

Des weiteren helfen z.B. entsprechend angepasste Arbeitsumgebungen sowie die die rechtzeitige Ankündigung von Vorhaben oder Plänen. Denn,, wenn hochsensible Menschen sich gut auf die jeweilige Situation vorbereiten können und die entsprechenden Rahmenbedingungen gegeben sind, so so sind sie,, für eine bestimmte Zeit,, durchaus zu Höchstleistungen fähig und können flexibel auf Veränderungen reagieren.

Hochsensible Menschen haben einen ausgeprägten Gerechtigkeitssinn.

Ich erinnere mich noch genau an meine Kindheit und Jugendzeit. Bei Entscheidungen war es mir immer wichtig, alle mit einzubeziehen. Auch die Kinder, die nicht ganz so beliebt waren oder sich von sich aus nicht so gut integrieren konnten.

Hochsensible Menschen besitzen die Fähigkeit, sich extrem gut in andere hineinversetzen zu können. Demnach können sie auch nachempfinden, wie sich jemandem fühlt, der ungerecht behandelt wird. Noch dazu haben hochsensible Menschen in ihrem Leben auch selbst oft negative Erfahrungen mit Ausgrenzung und Mobbing gemacht.

Da sie Sinneseindrücke jedoch besonders stark wahrnehmen, können Wut, Ärger oder Trauer oft nur schwer ausgehalten werden. Das Bedürfnis nach Harmonie ist sehr hoch und sie fühlen sich nur dann wirklich wohl, wenn sich auch alle in ihrem Umfeld wohl fühlen. Ansonsten sind sie immer bestrebt, die Harmonie wieder herzustellen.

Natürlich können sich hochsensible Menschen darin auch verlieren. Sich für andere aufopfern. Oder es passiert, dass sie schnell ausbrennen. Deshalb geht es darum, sich mit sich selbst auseinander zu setzen und immer wieder zu hinterfragen: Inwieweit ist die jeweilige Situation wirklich beeinflussbar? Was liegt in meinen eigenen Händen? Und was sind die Umstände, die ich selbst nicht ändern kann und mit denen ich lernen darf, zu leben?

Emotional intelligente Teams können Konflikte und Herausforderungen schneller bewältigen.

Wenn Menschen zusammen arbeiten, treffen immer auch unterschiedliche Persönlichkeiten aufeinander. Dass das ein Potential für Konflikte und Streitigkeiten mit sich bringt, ist unumgänglich. Was wir jedoch aktiv beeinflussen können, ist der Umgang damit.

Emotionale Intelligenz ist dabei ein wichtiger Baustein. Denn sie befähigt Menschen dazu, die eigenen Emotionen und die anderer Personen zu erkennen und bewusst darauf reagieren zu können. So werden Konflikte untereinander schneller erkannt und es kann dementsprechend gehandelt werden. Natürlich ist dafür auch die Bereitschaft und Fähigkeit unabdingbar, über die eigenen Emotionen und Wahrnehmungen zu sprechen. Und offen zu sein für wertschätzendes und konstruktives Feedback.

Des weiteren werden Situationen schneller erkannt, in denen sich die Ressourcen von Teammitgliedern dem Ende zu neigen. Zum Beispiel bei zu viel Druck von außen oder persönlichen Herausforderungen. Diese Informationen sichtbar zu machen und rechtzeitig zu erkennen, verhindert, dass Konflikte und Unzufriedenheiten im Untergrund brodeln und sich irgendwann als Vulkanausbruch ihren Weg an die Oberfläche suchen.

Doch auch hier wird wieder deutlich, dass es wichtig ist, wirklich alle Teammitglieder sowie die Führungskräfte in Soft Skills und emotionaler Intelligenz zu schulen. Insbesondere hochsensible Menschen besitzen von Natur aus eine hohe Fähigkeit für emotionale Intelligenz. Dieses Potential sollte in Unternehmen unbedingt erkannt und gefördert werden. Denn letztendlich ist es immer ein Vorteil, wenn kreative und schnelle Lösungen für Herausforderungen gefunden werden können.

Teams mit einer hohen emotionalen Intelligenz sind produktiver und stressresistenter.

Dass emotionale Intelligenz von enormer Wichtigkeit für die Zukunft von Unternehmen ist, ist mittlerweile bekannt. Jedoch reicht es nicht aus, ausschließlich Führungskräfte darin zu schulen. Viel effektiver ist es, die emotionale Intelligenz bei jedem einzelnen Teammitglied zum fördern.

Menschen mit einer hohen emotionalen Intelligenz sind in der Lage, Emotionen bei sich selbst und anderen zu erkennen. Sie können angemessen darauf reagieren und sich selbst regulieren. Wenn sie dazu in der Lage sind, diese Emotionen auch klar und deutlich zu kommunizieren, kann frühzeitig auf Stress und Konflikte reagiert werden.

Emotional intelligente Teams sind aus Menschen zusammen gesetzt, die dynamisch im Umgang mit ihren Teamkolleg:innen sind und flexibel auf Herausforderungen reagieren. Somit entsteht eine wertvolle Vertrauensbasis und gegenseitiger Respekt. Diese positive Arbeitsatmosphäre sorgt für ein motiviertes Zusammenarbeiten und gegenseitige Unterstützung in schwierigen Situationen.

Werden also Führungskräfte und Mitarbeiter:innen in emotionaler Intelligenz und den entsprechenden Soft Skills gefördert, so entsteht eine wertvolle Basis für den zukünftigen Erfolg von Unternehmen. Hochsensible Menschen besitzen von Natur aus die besten Voraussetzungen für emotionale Intelligenz. Es gilt also, hochsensible Menschen im Unternehmen zu erkennen und entsprechend zu fördern, so dass sie ihre wertvollen Potentiale in vollem Maße entfalten können.

Hochsensibilität beim Arztbesuch

Bist du auch der Meinung, dass beim Arzt bzw. Zahnarzt abgefragt werden sollte, ob jemand sehr sensibel ist oder sogar Angst vor der Behandlung hat?

Ich selbst kann mich nur an ein Mal erinnern, als dieses Thema auf dem Anamnesebogen mit abgefragt wurde. Und dabei ist es doch so wichtig!

Denn sensible Menschen haben zum einen ein höheres Schmerzempfinden. Und es wirken, nachgewiesener Weise, auch die Medikamente anders. Außerdem ist es gut, wenn das Personal sich auf die individuellen Bedürfnisse eines jeden Menschen einstellen kann.

Deshalb bin ich der Meinung, dass jeder Arzt und jeder Zahnarzt seine Patienten bei der Anamnese fragen sollte, ob sie hochsensibel sind oder Angst vor der Behandlung haben. Wie denkst du darüber?

Wenn dir dein Perfektionismus im Weg steht…

Kennst du das Gefühl, alles immer perfekt machen zu wollen? Es jedem Recht zu machen? Allen Ansprüchen zu genügen? Ständig Konflikte vermeiden zu wollen?

Wenn du einmal genauer darüber nachdenkst, wirst du schnell feststellen, dass genau das ein Ding der Unmöglichkeit ist. Denn du kannst nicht alles immer perfekt machen und du kannst es auch nicht jedem Recht machen. Und die einzige Person, die darunter leidet, bist letztendlich du selbst.

Versuche also, immer gut für dich zu sorgen. Setze dir Prioritäten. Was ist jetzt wirklich wichtig? Dann fokussiere dich darauf und stelle dich einmal selbst in den Mittelpunkt. Denn nur dann, wenn du selbst auch gut für dich sorgst, indem du deinen Perfektionismus und deine Ansprüche herunter schraubst, kannst du auch für andere da sein und deinen Alltag mit einem guten Gefühl erledigen.

Wie würde mein Leben aussehen, wenn ich nicht gelernt hätte, überflüssige Sinnesreize auszublenden?

Als vor einer Weile der Sturm über Deutschland zog, war ich mit meiner kleinen Tochter am Vormittag noch etwas an der frischen Luft. Und mir wurde dabei wieder einmal bewusst, wie mein Leben aussehen würde, wenn ich nicht gelernt hätte, so viele störende Reize wie möglich auszublenden.

Für Mina war der Sturm an sich nichts Neues, doch all die Geräusche und Eindrücke, die damit verbunden waren, hielten sie völlig in Bann. Der Wind rauschte durch die Bäume und Straßen. Überall klapperte es oder bewegte sich etwas. Papier, Blätter und kleine Reste von Müll wirbelten immer wieder um uns herum. Und der Wind blies ihr immer wieder ins Gesicht. Das alles übermannte sie förmlich. Ständig war sie von etwas Neuem abgelenkt. Mal blieb sie ganz fasziniert stehen. Ein anderes Mal wieder, klammerte sie sich ganz ängstlich an mir fest, weil ihr alles zu viel war.

Mina ist in ihrem Alter noch nicht wirklich dazu in der Lage, Unwichtiges auszublenden. Noch dazu sind viele Dinge für sie neu und unbekannt. Und auch sie hat hochsensible Tendenzen. Ganz besonders dann, wenn es um Geräusche geht. Darauf reagiert sie extrem.

Ich habe mittlerweile über meine Lebensjahre hinweg gelernt, Störendes relativ gut auszublenden. Doch auch solche Naturerlebnisse, wie der Sturm, beeinflussen mich auch heute noch sehr. Die vielen unterschiedlichen Sinneseindrücke: Der Wind, der mir ins Gesicht bläst und meine Haare fliegen lässt. Das Rauschen und Klappern der Bäume und Häuser. Alles, was sich um mich herum bewegt und durch die Gegend gewirbelt wird. Und zu all dem kommen dann noch die normalen Geräusche des Alltags in der Großstadt.

Die Herausforderung ist nun für mich, trotz meiner eigenen Überforderung, meiner Tochter in diesen Situationen Sicherheit zu geben und gut für sie zu sorgen. Ihr Methoden und Techniken mit auf den Weg zu geben, wie sie sich, in solchen Momenten, selbst besser abgrenzen und schützen kann. Wie sie störende und unwichtige Sinneseindrücke ausblenden oder vorüberziehen lassen kann. Und wie sie auch in solchen, herausfordernden Momenten, gut durch den Tag kommt, ohne Reizüberflutung oder extreme Ängste. Dieser Spagat ist für mich eine ganz besondere Herausforderung. Doch ich weiß, dass es all die Mühen wert sind, damit sie ein angenehmes und ruhiges Leben leben kann.