Kristin, was unterscheidet dich als Coach von einer Trainerin?
Als ich mich vor 13 Jahren selbstständig machte, arbeitete ich ausschlieĂlich als Stimmtrainerin. Da steckt ja das Wort Trainerin schon mit drin. Und es war zu Beginn auch ein ganz klassisches Training. Denn die Menschen, die zu mir kamen, erlernten durch meine UnterstĂźtzung die hochdeutsche Aussprache und wie sie ihre eigene Stimme optimal nutzen kĂśnnen. Da gab es dann viele Ăbungen, die wir nacheinander gemeinsam durchgingen. Also in etwa wie in der Schule. Oder beim Tanzen lernen. Es gibt bestimmte Vorgänge und Techniken, die man dann praktisch Schritt fĂźr Schritt erlernen muss, um zu einem guten Ergebnis zu kommen. Im Idealfall lief das dann so, dass ich die Ăbungen jeweils vor machte und mein Klient bzw. meine Klientin die Ăbung so lange wiederholte, bis die Technik wirklich auch saĂ.
Ăber die Jahre hinweg merkte ich jedoch, dass Stimmtraining allein nicht wirklich effektiv ist. Mir fehlte dabei, dass der Mensch mit seiner individuellen PersĂśnlichkeit mit einbezogen wird. Und auch das jeweilige Mindset ist extrem wichtig, wenn man sich wirkungsvoll und Ăźberzeugend nach auĂen hin präsentieren mĂśchte. Das, sagen wir mal, Hervorkitzeln der eigenen PersĂśnlichkeit kann jedoch nicht Ăźber ein klassisches Training erreicht werden. Denn wie soll ich jemandem vormachen, wie er sein soll? Was, wenn er dem dann gar nicht entspricht? Also zum Beispiel⌠wenn ein sensibler Mensch zu mir kommt und gern selbstbewusster auftreten mĂśchte, dann kann ich ihm nicht einfach vormachen, wie er zukĂźnftig sprechen und seine KĂśrpersprache einsetzen soll. Und dann macht er es nach und alles funktioniert wie von Zauberhand. Ich meine, ich kann es ihm zwar kurz einmal vormachen, um ihm zu zeigen, was die Idee des Ganzen ist. Aber, selbst wenn er es dann nach macht, wirkt es trotzdem zu diesem Zeitpunkt noch absolut unauthentisch.
Und jetzt kommen wir zum Coaching. Denn Coaching bedeutet, mein GegenĂźber zur LĂśsung hinzufĂźhren. Ihn zu begleiten und ihn dabei zu unterstĂźtzen, die LĂśsung selbst zu erarbeiten. Ich selbst sehe relativ schnell, wie das letztendliche Bild der jeweiligen Person aussehen kann. Das hilft mir dabei, den roten Faden beizubehalten. Doch ich bin lediglich in der Position, die richtigen Fragen zu stellen. Mein GegenĂźber zum Nachdenken anzuregen. Dabei zu ermutigen, Dinge auszuprobieren. Zu eigenen Erkenntnissen zu gelangen. Und somit im jeweils individuellen Tempo, Schritt fĂźr Schritt, die eigene LĂśsung zu finden.
Ich gebe also als Coach keine Ăbungen mehr vor, sondern bin lediglich eine liebevolle FĂźhrung auf dem individuellen Weg. Und so kommt mein GegenĂźber letztendlich von selbst zu dem Punkt, wo der Knoten sich lĂśst und die Sicht auf die Dinge wieder klarer wird. Und jetzt schlieĂt sich der Kreis: Denn wenn mein GegenĂźber dann an den Punkt kommt, wo der Nebel sich lichtet und die LĂśsung praktisch vor den eigenen FĂźĂen liegt, in diesem Moment verändern sich, fast wie von Zauberhand, auch die Stimme, die KĂśrpersprache und das gesamte Auftreten der Person. Und das alles erreiche ich ausschlieĂlich in meiner Funktion als professioneller und emphatischer Coach.