Hochsensible Menschen sind gern gut vorbereitet.

Hochsensible Menschen sind gewissenhaft, tiefgründig, analytisch und können unglaublich gut planen und organisieren. Das tun sie vor allem auch, um negativen Erlebnissen aus dem Weg zu gehen. Um Scheitern zu vermeiden. Und sie können sich sehr gut in andere Menschen hinein versetzen. Diese Fähigkeit verhilft ihnen dazu, sich allumfassend zu informieren und in der Vorbereitung alle Möglichkeiten mit einzubeziehen.

Dass das, gepaart mit Perfektion, auch in Stress ausarten und dazu führen kann, dass sich hochsensible Menschen in Details verlieren, ist offensichtlich. Doch was uns noch mehr aus der Fassung bringt, sind Überraschungen. Unangekündigte Veränderungen. Situationen, auf die wir nicht vorbereitet sind und flexibel reagieren müssen.

Zwar gelingt es, durch unsere Kreativität und unsere Fähigkeit zur Anpassung, uns in solchen Situationen nichts anmerken zu lassen. Doch innerlich bedeutet es für uns unglaublichen Stress. Alle Alarmglocken schrillen und der Körper schüttet Stresshormone aus.

Was helfen kann ist, sich seiner körperlichen Reaktionen bewusst zu sein. Zu akzeptieren, dass wir so funktionieren. In der Evolutionsgeschichte waren hochsensible Menschen dafür da, andere vor Gefahren zu warnen. Was also tun, wenn uns plötzlich, in eigentlich ungefährlichen Situationen, genau diese Fähigkeit zu schaffen macht?

Atme ganz bewusst mehrmals tief ein und aus. Mach dir bewusst, dass auch solche Situationen ihr Gutes haben können und versuche, dich genau auf diesen Aspekt zu konzentrieren. Vielleicht kannst du dich das nächste Mal schon viel besser darauf vorbereiten. Und es hilft außerdem, deine Befindlichkeiten auch nach außen zu kommunizieren und darum zu bitten, zukünftig auf Überraschungen und kurzfristige Änderungen zu verzichten.

Veränderungen gelingen nur gemeinsam.

Um Unternehmen wirklich zukunftsfähig zu machen, müssen alle an einem Strang ziehen. Es ist grundsätzlich toll, wenn Führungskräfte und einzelne Teammitglieder in Weiterbildungen und Coachings investieren. Doch Veränderungen können nur dann gelingen, wenn alle Beteiligten in den Prozess mit einbezogen werden.

Studien haben heraus gefunden, dass in den kommenden Jahren Soft Skills und emotionale Intelligenz essentiell für das Bestehen von Unternehmen sein werden. Hochsensible Menschen besitzen von Natur aus viele dieser Fähigkeiten, halten sich jedoch oft eher im Hintergrund, um nicht aufzufallen oder anzuecken.

Und es reicht in diesem Fall nicht, wenn ausschließlich in ein Coaching der hochsensiblen Menschen investiert wird. Die Gefahr von Ausgrenzung und Mobbing oder das letztendliche Scheitern der Umsetzung im Arbeitsalltag, sind dabei einfach zu groß.

Deshalb ist es wichtig, die Führungskraft, die Teammitglieder sowie alle anderen Beteiligten in das Coaching mit einzubeziehen. Immer wieder den gegenseitigen Dialog zu gehen. Anpassungen zu treffen, um langfristig wirklich effektive Veränderungen zu erreichen, von denen alle profitieren können.

Emotional intelligente Teams können Konflikte und Herausforderungen schneller bewältigen.

Wenn Menschen zusammen arbeiten, treffen immer auch unterschiedliche Persönlichkeiten aufeinander. Dass das ein Potential für Konflikte und Streitigkeiten mit sich bringt, ist unumgänglich. Was wir jedoch aktiv beeinflussen können, ist der Umgang damit.

Emotionale Intelligenz ist dabei ein wichtiger Baustein. Denn sie befähigt Menschen dazu, die eigenen Emotionen und die anderer Personen zu erkennen und bewusst darauf reagieren zu können. So werden Konflikte untereinander schneller erkannt und es kann dementsprechend gehandelt werden. Natürlich ist dafür auch die Bereitschaft und Fähigkeit unabdingbar, über die eigenen Emotionen und Wahrnehmungen zu sprechen. Und offen zu sein für wertschätzendes und konstruktives Feedback.

Des weiteren werden Situationen schneller erkannt, in denen sich die Ressourcen von Teammitgliedern dem Ende zu neigen. Zum Beispiel bei zu viel Druck von außen oder persönlichen Herausforderungen. Diese Informationen sichtbar zu machen und rechtzeitig zu erkennen, verhindert, dass Konflikte und Unzufriedenheiten im Untergrund brodeln und sich irgendwann als Vulkanausbruch ihren Weg an die Oberfläche suchen.

Doch auch hier wird wieder deutlich, dass es wichtig ist, wirklich alle Teammitglieder sowie die Führungskräfte in Soft Skills und emotionaler Intelligenz zu schulen. Insbesondere hochsensible Menschen besitzen von Natur aus eine hohe Fähigkeit für emotionale Intelligenz. Dieses Potential sollte in Unternehmen unbedingt erkannt und gefördert werden. Denn letztendlich ist es immer ein Vorteil, wenn kreative und schnelle Lösungen für Herausforderungen gefunden werden können.

Teams mit einer hohen emotionalen Intelligenz sind produktiver und stressresistenter.

Dass emotionale Intelligenz von enormer Wichtigkeit für die Zukunft von Unternehmen ist, ist mittlerweile bekannt. Jedoch reicht es nicht aus, ausschließlich Führungskräfte darin zu schulen. Viel effektiver ist es, die emotionale Intelligenz bei jedem einzelnen Teammitglied zum fördern.

Menschen mit einer hohen emotionalen Intelligenz sind in der Lage, Emotionen bei sich selbst und anderen zu erkennen. Sie können angemessen darauf reagieren und sich selbst regulieren. Wenn sie dazu in der Lage sind, diese Emotionen auch klar und deutlich zu kommunizieren, kann frühzeitig auf Stress und Konflikte reagiert werden.

Emotional intelligente Teams sind aus Menschen zusammen gesetzt, die dynamisch im Umgang mit ihren Teamkolleg:innen sind und flexibel auf Herausforderungen reagieren. Somit entsteht eine wertvolle Vertrauensbasis und gegenseitiger Respekt. Diese positive Arbeitsatmosphäre sorgt für ein motiviertes Zusammenarbeiten und gegenseitige Unterstützung in schwierigen Situationen.

Werden also Führungskräfte und Mitarbeiter:innen in emotionaler Intelligenz und den entsprechenden Soft Skills gefördert, so entsteht eine wertvolle Basis für den zukünftigen Erfolg von Unternehmen. Hochsensible Menschen besitzen von Natur aus die besten Voraussetzungen für emotionale Intelligenz. Es gilt also, hochsensible Menschen im Unternehmen zu erkennen und entsprechend zu fördern, so dass sie ihre wertvollen Potentiale in vollem Maße entfalten können.

Glaubenssätze

Wie oft ich in meinen jungen Jahren Sprüche bzw. Glaubenssätze verwendet habe, ohne sie wirklich zu hinterfragen. Eigentlich untypisch für mich, da ich den Dingen gern auf den Grund gehe. Doch bei diesen Glaubenssätzen hatte ich einfach das Gefühl, dass sie wahr sind. Weil sie von Menschen kamen, zu denen ich damals aufgesehen habe. Von denen ich dachte, sie müssten es ja wissen oder die Erfahrung haben. Erst später, etwa mit Mitte 20, fiel mir auf, wie wenig Wahrheit doch hinter Glaubenssätzen steckt.

Als ich mich vor gut 15 Jahren selbstständig machte, begegnete mir z.B. immer wieder der Satz: „Als Selbstständiger arbeitet man selbst und ständig.“ Und ich übernahm ihn selbst in mein Sprachrepertoire. Und irgendwann fragte ich mich: Will ich das eigentlich wirklich? Selbst ständig arbeiten? Immer beschäftigt und jederzeit erreichbar sein? Muss ich das überhaupt? Und wer sagt das eigentlich?

Tiefgründigkeit ist bei hochsensiblen Menschen extrem stark ausgeprägt. Sie hinterfragen die Dinge und sind im allgemeinen sehr gewissenhaft. Leider ist das in dieser lauten und schnellen Welt eher ungünstig, da dieses Arbeiten auch ein gewisses Maß an Zeit benötigt. Um nicht aufzufallen oder im Weg zu stehen, passen sich hochsensiblen Menschen deshalb oft ihrem Umfeld an. Das kann dazu führen, dass sie Verhaltensweisen an den Tag legen, die nicht zu ihrer Persönlichkeit passen. Auf Dauer kann dieses Verhalten zu Unzufriedenheit, Krankheiten, Depression und Burnout führen.

Deshalb ist es so wichtig, hochsensiblen Menschen ein entsprechendes Arbeitsumfeld zu bieten, in dem sie Zeit und Raum haben, ihre wertvollen Potentiale zu entfalten. Denn Tiefgründigkeit und Gewissenhaftigkeit sind Fähigkeiten, die für den Erfolg und die Zukunft von Unternehmen von großer Bedeutung sind.

Die eigenen Emotionen erkennen und angemessen reagieren.

Emotional intelligente Menschen sind dazu in der Lage, ihre eigenen Emotionen und Gefühle zu erkennen und aktiv zu beeinflussen. Sie sind ihnen nicht willenlos ausgeliefert.

Das bedeutet, in einem Moment des Ärgers oder bei Enttäuschung, angemessen zu reagieren. Sich z.B. nicht ausschließlich von der Wut steuern zu lassen. Sondern die Fähigkeit zu besitzen, sich selbst zu regulieren, bevor gehandelt oder gesprochen wird.

Gerade hochsensible Menschen tendieren dazu, sehr emotional zu sein. Die Dinge schnell auf sich zu beziehen. Sie hinterfragen viel, sind oft von Selbstzweifeln geprägt oder besitzen ein geringes Selbstbewusstsein.

Doch wenn sie lernen, ihre eigenen Emotionen und Gefühle zu erkennen und angemessen darauf reagieren zu können, kann ihre natürliche Fähigkeit zur emotionalen Intelligenz gefördert und gestärkt werden, so dass alle davon profitieren.

Bescheidenheit

Obwohl wir hochsensiblen Menschen unheimlich gut darin sind, andere zu begeistern, arbeiten wir lieber im Hintergrund.

Dabei sind wir doch tolle Geschichtenerzähler! Und durch unsere hohe Empathie können wir uns nahezu auf jedes Publikum einstellen.

Doch überlassen wir die große Bühne lieber anderen und meiden eher das Rampenlicht… oft aus einer Versagensangst heraus oder der Angst vor negativen Bewertungen.

Deshalb lohnt es sich, genau daran zu arbeiten. Zum Beispiel am Selbstbewusstsein und der eigenen Auftretenskompetenz. Denn wir haben viel zu sagen und dürfen uns endlich auch trauen 😊

Vorteile hochsensibler Menschen in Unternehmen.

Dass sich (Neuro-)Diversität in Teams auszahlt und zu besseren Arbeitsergebnissen führt, ist mittlerweile mehrfach wissenschaftlich belegt. Doch weshalb sollten wir unsere Aufmerksamkeit gerade auf hochsensible Menschen legen?

Eine Studie des Weltwirtschaftsforums hat die 10 Top Skills von Unternehmen heraus gearbeitet, die Unternehmen besitzen sollten, wenn sie auch noch im Jahr 2025 bestehen wollen. Etwa 8 dieser 10 Top Skills haben hochsensible Menschen von Natur aus.

Etwa jeder 5. Mensch ist hochsensibel und besitzt demnach förderliche Eigenschaften, die unabdingbar für die Zukunft von Unternehmen sind. Dazu gehören u.a. eine hohe Gewissenhaftigkeit, Tiefgründigkeit und Sorgfalt, eine ausgeprägte Kreativität sowie hohe emphatische und kommunikative Fähigkeiten.

Unternehmen müssen also nicht erst extern nach Menschen suchen, welche diese Fähigkeiten besitzen, sondern können intern ihre Mitarbeiter:innen unter die Lupe nehmen. Es geht darum, die Menschen mit einer hohen Sensibilität zu erkennen und entsprechend zu fördern, so dass sie in der richtigen Position ihre wahren Potentiale entfalten können.

Wenn Unternehmen hochsensible Menschen unterstützen, bestärken und ihnen ein entsprechendes Arbeitsumfeld schaffen, können sie also nur davon profitieren. Und dieser Prozess ist letztendlich immer noch kostengünstiger und bedeutet weniger Aufwand, als nach neuen Mitarbeiter:innen zu suchen, um dann den gesamten Bewerbungs- und Einarbeitungsprozess zu durchlaufen.

Kennst du bereits die hochsensiblen Menschen in deinem Unternehmen?

Kreativität fördert Innovation

Um in der heutigen Zeit auch zukünftig bestehen zu können, ist Innovation ein wichtiges Tool für Unternehmen. Mit Innovation kann Neues entstehen. Es kann flexibel auf Veränderungen reagiert werden. Neue Zielgruppen und Märkte können erschlossen und Unternehmenskosten gesenkt werden.

Eine wichtige Grundlage für Innovation ist Kreativität. Hochsensible Menschen besitzen diese Fähigkeit von Natur aus. Jedoch kann sie durch negative Lebenserfahrung oder ein falsches Arbeitsumfeld unterdrückt werden.

Deshalb ist es so wichtig, hochsensible Menschen in deinem Unternehmen zu erkennen und zu fördern, so dass sie ihre wahren Potentiale entfalten können. So sparst du außerdem Zeit und Kosten, weil du nicht erst einen aufwendigen Bewerbungsprozess starten und nach kreativen Menschen suchen musst.

Kennst du die hochsensiblen Menschen in deinem Unternehmen?

Fehlende Empathie beim Arztbesuch.

Für viele hochsensible und introvertierte Menschen sind Arztbesuche von sich aus bereits eine echte Herausforderung. So auch für mich. Habe ich einen Termin, so kann ich mich wenigstens darauf vorbereiten. Doch heute musste ich in die Akutsprechstunde, weil meine Beschwerden einfach nicht besser werden. Und Termine gab es erst wieder im August.

Da ich rechtzeitig da war, hatte ich nur eine Frau vor mir. Doch während die medizinische Fachangestellte am Empfang von der Dame vor mir nur kurz die Personalien aufnahm (sie war auch zum ersten Mal in der Praxis), wurde ich zum Ziel eines kleinen Verhörs:

Sie (genervt): „Welche Beschwerden haben Sie?“

Ich erklärte ihr, dass es um Halsschmerzen und Heiserkeit geht, die schon eine ganze Weile andauern.

Sie (sehr unfreundlich): „Wieso kommen Sie denn gerade heute? So etwas ist kein Fall für die Akutsprechstunde. Nur, wenn man z.B. Fieber oder starke Schmerzen hat. Haben Sie denn Fieber oder starke Schmerzen?“

Ich (sehr deutlich und direkt): „Nein, Fieber habe ich nicht mehr… aber ja, ich habe immer wieder starke Schmerzen… und das schon seit einer ganzen Weile!“

Darauf hin las sie widerwillig meine Daten ein und sagte, ich solle im Wartezimmer Platz nehmen. 

In der Schlange hinter mir standen noch etwa 10 Menschen, die alles mit angehört hatten. Ich wurde sogar im Wartezimmer noch von einigen auf das „Verhör“ am Empfang angesprochen. Ihnen war die Situation auch deutlich unangenehm. 

Hätte ich über die letzten 20 Jahre nicht gelernt, in solchen Momenten selbstbewusst und überzeugend aufzutreten, wäre ich vor Scham im Boden versunken und hätte mir 3 Mal überlegt, das nächste Mal in die Akutsprechstunde zu gehen. Und ich frage mich: Was passiert tagtäglich mit den Menschen in unseren Arztpraxen? Wieviele Menschen trauen sich nicht zum Arzt, um genau solche Situationen nicht ertragen zu müssen? 

Denn besonders sensible Menschen können mit so etwas nur sehr schwer umgehen. Und gerade dann, wenn man in die Akutsprechstunde geht und sich wirklich gesundheitlich schlecht fühlt, sollte man in ein emphatisches und respektvolles Umfeld eintreten und ernst genommen werden. Denn Schmerzen und Unwohlsein sind immer auch relativ zu sehen.  

Was hast du für Erfahrungen gemacht? Und, wie gehst du damit um?

PS: Der Arzt selbst war übrigens sehr empathisch und kompetent. Ein kleines Highlight nach dem unangenehmen Empfang.