Hochsensibilität: Wie ich mich auf Familienfeiern gut vorbereite.

Ostern steht vor der Tür und es werden wieder viele Familien zusammen kommen, um die Feiertage miteinander zu verbringen. Einerseits liebe ich diese größeren Zusammenkünfte und genieße sie sehr! Doch andererseits bedeutet es für mich auch immer wieder eine große Herausforderung.

Anfangs mag es vielleicht alles noch gehen, denn die Freude über das Wiedersehen überwiegt. Wir tauschen uns aus über das, was passiert ist, wie es uns geht, was wir erlebt haben. Es wird zusammen geredet, gegessen und gefeiert. Das alles bedeutet jedoch auch: Extrem viele Sinneseindrücke.

Und spätestens nach ein bis zwei Stunden, wenn alle durcheinander reden, die Lautstärke steigt und vielleicht noch Musik im Hintergrund läuft, merke ich, wie mein Körper mir immer mehr zeigt, dass er eine Ruhepause braucht. Übergehe ich diese Zeichen oder ist es mir einfach nicht möglich, mich zurückzuziehen, bekomme ich Kopfschmerzen, Herzklopfen, Magenschmerzen oder mein Kreislauf meldet sich.

Dann versuche ich, entweder den Raum zu verlassen oder wenigstens ein bisschen vor die Tür zu gehen und frische Luft zu schnappen, so dass ich wieder etwas runter fahren kann. Dann bin ich nach einiger Zeit auch wieder bereit, mich ins Getümmel zu stürzen.

Was also kannst du tun, um dich als (hoch)sensibler Mensch gut auf Familienfeiern vorzubereiten? Mir hilft im Voraus eine gute, mentale Vorbereitung. Wenn ich mich gedanklich auf die Situation einstelle, fällt es mir leichter, mich vor Ort darauf einzulassen. Und ich überlege mir, welche Rückzugsmöglichkeiten ich nutzen kann. Und wann ich die Verantwortung für unsere kleine Tochter an jemand anders abgeben kann. 

Was mir auch sehr hilft ist, dass mein Partner über all das Bescheid weiß und mich vor Ort gut unterstützt. So brauche ich ihm nur ein kurzes Signal zu geben und er weiß Bescheid. So habe ich auch das Gefühl, mit meinen Bedürfnissen nicht allein dazustehen und kann, auch in herausfordernden Situationen, gut für mich sorgen und die Familientreffen, so gut es mir möglich ist, genießen.

Was hilft dir dabei, Familienfeiern gut zu überstehen?

Erfahrungsbericht Hochsensibilität: Das Zusammensein mit anderen Menschen.

Was für viele Menschen ganz normal ist und zum täglichen Leben dazu gehört, ist für viele Hochsensible eine echte Herausforderung: Das Zusammensein mit anderen Menschen. Seien es Verabredungen mit Freunden, Familienfeiern, Business-Events oder größere Veranstaltungen.

Da wir Reize relativ ungefiltert aufnehmen und unsere emphatischen Fähigkeiten nicht einfach abschalten können, sind wir schnell reizüberflutet. In der Natur, zuhause oder wenn wir mit uns allein sind, können wir gut für uns sorgen. Schwieriger wird es dann jedoch, wenn sich andere Menschen, über einen längeren Zeitraum, in unserem privaten Raum befinden. Kommen dann noch weitere Sinnesreize, wie z.B. laute Musik, grelles Licht oder auch Gerüche hinzu, wird es noch anstrengender.

Bei mir ist es so, dass ich solche Phasen eine Weile lang relativ gut überstehe, wenn ich mich im Voraus darauf einstellen kann. Doch irgendwann merke ich, dass mir alles zu viel wird. Als erstes Zeichen der Überlastung bekomme ich meist Kopfschmerzen. Normalerweise sollte ich mich dann aus der Situation heraus nehmen und etwas zur Ruhe kommen. Mir einen geschützten Raum suchen. Das ist jedoch leider nicht immer möglich, z.B. wenn ich auf einer Feier bin oder gerade ein Coaching gebe.

Wenn ich diesen Ausstieg an dieser Stelle dann nicht schaffe, meldet sich mein Körper mit immer weiteren Stresszeichen. Ich bekomme z.B. Kreislaufprobleme. Oder fange an zu Zittern. Oft wird mir dann auch schlecht und dann weiß ich: Jetzt musst du wirklich gehen! Und dann brauche ich im Anschluss dann meist etwa drei Tage Ruhe, um wieder zu meiner vollen Kraft und Energie zurück zu finden.

Früher habe ich meine Grenzen immer wieder bewusst übergangen, um nicht immer die Außenseiterin zu sein. Doch hat es mir körperlich oft mehr geschadet, als gut getan. Erst mit den Jahren und dem wachsenden Bewusstsein über meine eigene Hochsensibilität merkte ich, wie wichtig es für meine Gesundheit und mein eigenes Wohlbefinden ist, mir die nötigen Auszeiten auch wirklich zu gönnen und sie im Voraus auch mit einzuplanen. Und das alles dann auch ganz bewusst nach außen hin zu kommunizieren.

Anfangs war es sehr schwer für mich und ich bin bei anderen oft damit angeeckt. Doch mit den Jahren fällt es mir immer leichter, mit meiner Hochsensibilität und meinen eigenen Grenzen umzugehen. Und diesbezüglich gut für mich zu sorgen. Ganz egal, was die anderen dann in diesem Moment davon halten.